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Wanderfahrt

Heiße Tage in Brandenburg

Endlich da – ein eindrucksvoller Bericht unserer Wanderfahrt im Frühsommer:

Am Mittwoch, den 19.06., ging es für 15 Ruderinnen und Ruderer im Alter zwischen 18 und 84 Jahren auf nach Zernsdorf, südlich von Berlin am Krüpelsee gelegen. Auch verspätete oder ausgefallene Züge konnten nicht verhindern, dass die Gruppe bis zum Abend vollständig war und vom ortskundigen “Captain” Knut Teuber willkommen geheißen werden konnte.

Vier besonders motivierte Ruderer machten sich bereits am Nachmittag auf, um das Leihboot Chlotar aus dem nahegelegenen Königs Wusterhausen abzuholen. Vor der nach wenigen hundert Metern erreichten Schleuse Neue Mühle stellte sich jedoch heraus, dass die Besatzung gedanklich eher noch auf Auto und Zug als auf ein Ruderboot eingestellt war. So führte ein falscher Befehl vom Steuermann (Backbord und Steuerbord lassen grüßen), der vom Schlagmann noch weiter verfälscht wurde (vorwärts und rückwärts lassen ebenfalls grüßen) dazu, dass in Verbindung mit dem ausströmenden Wasser der Schleuse eine ungewollte Pirouette vollführt wurde. Die Weiterfahrt zum Bootshaus blieb jedoch ohne besondere Vorkommnisse.

Den Abend verbrachte die Gruppe nach dem Beziehen der Zimmer und einer ersten Besichtigung der beiden weiteren Leihboote Spree und Binenbach beim Zernsdorfer Italiener. Hier wurden die folgenden Tage bei gutem Essen vorausgeplant.

Der Donnerstag sollte direkt für die längste Tour der Wanderfahrt genutzt werden. Bei bestem Ruderwetter folgten die drei Boote vom Standort am Krüpelsee in südlicher Richtung dem Verlauf der Dahme. Hierbei wechselten sich immer wieder schmale, idyllische Kanäle mit größeren Gewässern (Dolgensee, Langer See) ab. Pünktlich zur Mittagszeit erreichte die Gruppe das Tagesziel Blossin am Wolziger See. Die verdiente Pause wurde hier im Restaurant Fischerhütte bei leckeren Fischgerichten genossen.

Am Nachmittag stand der Rückweg entlang der bereits bekannten Route auf dem Programm. Angesichts hoher Temperaturen folgte nahe dem Dolgensee eine weitere Pause. Die Kombination aus Schatten und Softeis stellte hier eine willkommene Abwechslung dar. Zudem wurden Erinnerungen an eine vorherige Wanderfahrt nach Zernsdorf wach, da an gleicher Stelle das berühmt berüchtigte “Rutschenfoto” entstanden war. Nach 38 km erreichten die Boote wieder den Standort Zernsdorf. Hier waren zuerst kleinere Reparaturen, wie etwa die Instandsetzung eines gebrochenen Steuers, erforderlich. Parallel dazu nutzten einige Ruderinnen und Ruderer die Möglichkeit zur Abkühlung im Krüpelsee. Es folgte ein ausgiebiger Grillabend vor dem Bootshaus.

Am Freitag ging es auf zum ersten Teil der sogenannten Müggelsee-Runde. Über die Dahme, den Seddinsee und den Gosener Kanal erreichten die Boote die Müggelspree, welche durch die Siedlung Neu-Venedig in Berlin Rahnsdorf führt. Letztere stellte sich als wunderschöner Ort mit zahlreichen kleinen Kanälen und sehenswerten Häusern in direkter Ufernähe heraus. Die Mittagspause fand beim RC Rahnsdorf Luftfahrt statt. Nachmittags folgte mit dem Müggelsee dann das größte Gewässer Berlins. Die befürchteten Wellen aufgrund von Bootsverkehr und Wind blieben weitestgehend aus, sodass der See sicher überquert und dabei die eindrückliche Landschaft genossen werden konnte. Im Anschluss kam großstädtisches Flair auf, als der urbane Teil des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick über die Müggelspree erreicht wurde.

Beim Friedrichshagener RV endete die Fahrt nach 26 km mit einem Kaffee auf dem Balkon des altehrwürdigen Bootshauses. Hier kam die Gruppe in den Genuss der berühmten Berliner Freundlichkeit (“Bedienen kann ick Euch nich, dit müsst Ihr schon selber holen”). Die Rückfahrt nach Zernsdorf erfolgte nach einiger Aufregung um die Wahl des richtigen Tickets mit Tram, Bahn und Bus durch den Berliner Süden. Der Tag endete mit einem erneuten Grillen bei traumhaftem Sommerwetter am Krüpelsee. Hierbei begannen auch schon die Vorbereitungen für den Folgetag, für den sich aufgrund der Wettervorhersage eine Hitzeschlacht andeutete.

Der Samstag begann angesichts der vorhergesagten Hitze früh mit der Zugfahrt nach Friedrichshagen. Die Müggelsee-Runde wurde nun durch die sehenswerte Köpenicker Altstadt fortgesetzt. Dank “Captain” Knut’s Erfahrung stellten die belebten Berliner Wasserstraßen dabei kein Hindernis dar. In der Mittagszeit kündigte sich schließlich ein Highlight der Wanderfahrt an. Die olympische Regattastrecke von 1936 in Berlin Grünau sollte befahren werden. Während noch diskutiert wurde, ob denn nun die Regattastrecke oder die geliehenen Boote älter seien, schlug der bis dahin freundliche Ton der Steuerleute schlagartig in knallharte Kommandos um (“Die Boote gerade in der Bahn ausrichten, Boot Binenbach einen Schlag zurück, Boot Spree einen Schlag vor. Achtung! Los!”). Im folgenden Rennen konnte sich die Spree trotz leichter Schlagseite schnell absetzen. Aufgrund eines “Plattens” kam sie jedoch unerwartet zum Stillstand, was die Binenbach unter den nicht nachlassenden Anfeuerungsrufen durch Steuermann Reinhard zum Sieg im Foto-Finish gegen die zweitplatzierte Chlotar nutzen konnte.

Direkt im Anschluss folgte die Mittagspause bei der nahegelegenen RG Rotation Berlin. Hier entstanden erste Ideen für mögliche zukünftige Wanderfahrten von diesem Standort aus. Am Nachmittag wurde bei inzwischen brütender Hitze die verbleibende Strecke in Angriff genommen. Entlang von Dahme, Langer See, Seddinsee, Oder-Spree-Kanal, Crossinsee, Großer Zug und erneut der Dahme arbeiteten sich die Boote trotz hereinschwappender Wellen und einer verlorenen Seekarte bis Königs Wusterhausen vor. Hier wurde das Leihboot bzw. Schlachtschiff Chlotar unter Einsatz aller verbliebenen Kräfte zurück an seinen Liegeplatz verfrachtet. Während die beiden Zernsdorfer Boote die letzten Kilometer bis zum Krüpelsee zurücklegten, stellte die in Königs Wusterhausen verbliebene Mannschaft fest, dass sie auf dem hervorragend gesicherten Vereinsgelände eingeschlossen waren. Der drohenden Verhaftung konnte sie sich durch ihr Verhandlungsgeschick jedoch entziehen. Schlussendlich standen 31 km für den Samstag auf der Habenseite.

Abends mussten trotz großer Erschöpfung noch die Zernsdorfer Leihboote unter Aufsicht des charmanten Vereinsvertreters gesäubert werden. Nach einer Abkühlung im See, zu der sich sogar die bisherigen Verweigerer ins Wasser wagten, ging es zum gemütlichen Teil des Abends über. Nach dem Motto “aller guten Dinge sind drei” wurde erneut gegrillt. Dabei ließ die Gruppe die zurückliegenden Tage Revue passieren und blickte bereits auf kommende Wanderfahrten voraus. Ein besonderer Dank wurde Reinhild, Knut und Dietmar ausgesprochen, die sich um Organisation, Vorbereitung und Logistik gekümmert hatten.

Am Sonntag stand leider schon wieder die Abreise auf dem Programm. Zuvor wurde zwecks Resteverzehr aber noch ein reichhaltiges Frühstück eingenommen, nach dem an Rudern sowieso kaum mehr zu denken gewesen wäre. Ab dem späten Vormittag machte sich die Gruppe dann per Bahn oder Auto auf den Weg nach Hause.

Heimfahrt

Im Ergebnis waren die fünf Tage in Zernsdorf eine rundum gelungene Wanderfahrt. Die Mischung aus dem idyllisch gelegenen Bootshaus, der abwechslungsreichen Landschaft und dem sehenswerten Berliner Süden war dabei ein besonderes Highlight. Trotz teilweise grenzwertiger Temperaturen kam auch der Spaß nicht zu kurz und es wurde häufig herzhaft gelacht. Zudem sei an dieser Stelle noch einmal den Organisatorinnen und Organisatoren herzlich gedankt.