Sonntag, 15.06.: Anreise nach Schnackenburg
Pünktlich um neun stand die Gruppe Wanderfahrt Elbe am Bootshaus in Schieder. Die am Vortag verladenden Boote warteten bereits, allerdings waren keine Schwimmwesten aufzufinden. Schlussendlich wurde statt Schwimmwesten die bootshauseigene Isomatte mitgenommen, da sich herausstellte, dass nicht alle Teilnehmer auf das Schlafen im fremden Bootshaus eingestellt waren. Fazit: Geht bestimmt auch so.
Die Fahrt gestaltete sich ruhig, aber politisch. Angekommen in Schnackenburg, wo es laut Google Maps nicht viel außer einem Schnackautomaten gibt, stellte Reinhard zwei Leute zum Einweisen ab, um mit dem Bootanhänger rückwärts in den Hafen manövrieren zu können. Dies erwies sich als unnötig; bevor die Einweiser überhaupt Luft geholt hatten, hatte Reinhard den Anhänger schon fehlerfrei geparkt.

Nachdem ein netter Fährmann die besten Stellen zum Boote einsetzen bestätigt hatte, vertrieb sich die Truppe die Wartezeit auf den zweiten Bulli, der Knut T. und Dieter unterwegs eingesammelt hatte, im Grenzlandmuseum Schnackenburg. Hier gab es auch einen Kaffee, sodass der Schnackenburger Schnackautomat unbenutzt blieb.
Frisch informiert und wieder vereinigt bezogen die Wanderfahrer dann ihre Zimmer in der Pension Alte Schule. Einige Verrückte zog es danach sofort zurück zum Wasser – man schiebe es auf die Vorfreude aufs Rudern am nächsten Tag – so schwammen einige bei Regen in der Elbe, während der Rest in der Pension aufs Abendessen wartete.
Das Grillbuffet mit Salatbar und Nachtisch traf jeden Geschmack und stärkte die Ruderer für die komplizierten Themen, die an diesem Abend erörtert wurden.
16.06: 47,6km von Schnackenburg nach Hitzacker
Frühstück, Sachen in die Bullis, Fahrdienst festlegen, und los!
Es lief wirklich rund, die am Vorabend von Reinhard eingeteilten Boote wurden vorschriftsmäßig bestückt, die Steuerleute auf die Besonderheiten der Elbe hingewiesen (wie zum Beispiel, dass man möglichst mittig fährt, um Sandbänken und Buhnen zu entgehen) und dann ging es los.
Und dann war die 10km Markierung noch nicht erreicht, als die Mannschaft fragte „Warum steht Knut da im Wasser?“
Während die Mannschaften Löwenboot und Klüt also mit zwei Rollen Leukoplast das Löwenboot wieder zusammenflickten, freundete sich Max, zum Aufpassen auf die Klüt abgestellt, mit einer Seeschlange an. Dabei gelernt: Wenn die Blindschleiche beißt, dann war es keine Blindschleiche. Wichtige Erlebnisse für die erste Wanderfahrt.
Mit deutlich gesenkter Pünktlichkeit, aber gestiegener Laune liefen alle drei Boote zur Mittagspause in den Sportboothafen Gorleben ein, wo der Fahrdienst netterweise Rhabarbara Kuchen zur Versorgung besorgt hatte. Mit Musik und Yoga-Einlage.

Auf den letzten Kilometern machten sich dann Hitze, Ermüdung, und viel zu viele Sandbänke bemerkbar, sodass die Mannschaften abends im Sportboothafen Hitzacker unten recht nass und oben gut durchgebraten ankamen.
Die Boote durften im Hafen schlafen, während müde Ruderer sich auf den Weg nach Dömitz machten.
Das für den Abend geplante Restaurant hatte auf Grund der Verspätung durch Loch im Löwenboot bereits zu, aber den Wanderfahrern ist eigentlich egal, wo sie essen, sie kriegen es so oder so hin, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
17.06.: 47,9km von Hitzacker bis Lauenburg
Exzellentes Frühstück, aber das mit den Themen beim Essen wurde nicht einfacher.
Mit den Bullis ging es dann zurück zu den Booten nach Hitzacker. Bei bestem Wetter ging es wieder ins Boot. Die Elbe stellte erstaunlich viel Tierwelt zur Beobachtung zur Verfügung; zur am Vortag gesichteten Seeschlange gesellten sich an diesem Tag ein Biber, Krebse, Fische aller Größen, eine Schildkröte, und „da war so ein… ja.“ „Im Wasser oder am Wasser?“ „Genau.“
Bei der Pause in einer Buhne war wieder auf den Fahrdienst Verlass. Der Kuchen schmeckte, die Stimmung war bestens, ein Hund gesellte sich zu den Ruderern und erkundete, was für komische Leute da im Gras saßen.
Abends im Restaurant meldete sich dann leider das Bootshaus, in dem die Wanderfahrer ihre Nachtlager aufgebaut hatten, und forderte die sofortige Räumung der Räume wegen schlechter interner Kommunikation. Nicht sehr kollegial, aber die Wanderfahrer arrangierten sich – Damen schliefen in der Sauna, Herren teilten sich auf zwischen Fitnessraum und Bootshalle.
Mit Bewegungsmeldern in der Bootshalle wurde das lustig, aber da wurden Strategien entwickelt: Reinhard versteckte sich im Bootsschatten, Max pirschte sich an den Bewegungsmelder heran, fand heraus, ab wann er auslöst, und baute sein Nachtlager strategisch außerhalb der Reichweite. Wanderfahrt mit Gratis-Training zum Einbrecher.
Abends genoss die Gruppe dann draußen noch das gute Wetter.
18.06.: Landgang in Lüneburg
Ungewohnt so ohne Boot und ohne Wasser, aber die Ruderer schafften es trotzdem, pünktlich zur Kirchenführung in Lüneburg anzukommen. Eine schöne Stadt bei warmem Wetter und bester Laune.
Die Ruderer trafen Knut Ts Schwester, die als Ortskundige netterweise angeboten hatte, die Wanderfahrer durch die Stadt zu führen. Bevor es zwischen bunten Häusern durch alte Gassen ging, war aber erst die St Johanniskirche dran.
Bei der Kirchenführung musste man dann auch noch Fremdsprachen können, aber die Kunst in der Kirche war es wert. Besonders die hölzerne Krippe im Seitenschiff stach als bemerkenswert heraus.
Nach der Führung schlenderten die Ruderer unter Anleitung von Knut Ts Schwester vorbei an alten Fachwerkhäusern in Richtung St Michaeliskirche. Nach einer kleinen Stärkung wurden an der Kirche Gruppenfotos gemacht, bevor sich die Wanderung in Richtung Rathaus und Marktplatz fortsetzte. Obwohl der Markt bereits abbaute, ergatterten die Ruderer noch ein paar Schälchen frische Erdbeeren und genossen diese auf dem Weg zur Brausebrücke.

Hier trennte sich die Truppe und erkundete in Kleingruppen weiter die Stadt. Von einem Laden, in dem es nur Lakritze gab zu einer Boutique mit Vorliebe für Neonpink zu einem Contigo mit lustigen Postkarten war für alle etwas dabei. Eine Kleingruppe zog ernsthaft in Erwägung, ein Dingi zu erwerben, um Getränke gekühlt hinter einem Ruderboot durchs Wasser ziehen zu können, ließ sich dann aber von hässlicher Deko ablenken.
Abends traf die Truppe wieder im Restaurant zusammen, und diesmal bei normalen Themen! Wer weiß, vielleicht ist es das Wasser.
Das Restaurant war vom Orga-Team super ausgesucht worden, aber an diesem Abend waren die Portionen so groß, dass einige ihr Essen strategisch an einander weitergaben in der Hoffnung, ihre Portionen zu verkleinern, wodurch sich ein Kreislauf an „Nee, nicht zu mir!“ öffnete.
Nach dem Essen kamen dann schlechte Nachrichten; der im Bootshaus Lauenburg kundige Bootswart legte den Wanderfahrern nah, am nächsten Tag nicht auf die Elbe zu fahren. Diagnose: Wind. Symptome: falsche Bootsart mitgebracht. Das Problem hier: Keiner weiß irgendwas, aber alle wissen es besser.
Schlussendlich blieb die Stimmung trotz Aussichten auf erneuten Landgang hoch.
19.06.: Wind sorgt für Landgang
Ungeplant aber machbar. Hermann versucht morgens, die verlorenen Kilometer auf dem Ergo nachzuholen, und das vor dem Frühstück. Danach teilten sich Wanderfahrer auf. Ein Teil fuhr sich ein Boot anschauen, ein anderer Teil zurück nach Lüneburg, um das Deutsche Salzmuseum zu besuchen.
Das als Riemen-Vierer ausgewiesene Boot stellte sich als Enttäuschung heraus, mehr Bootsleiche als brauchbar, Riemen-Ausleger nicht aufzufinden.
Bei der Museumsgruppe ging es ähnlich schleppend voran. Eigentlich war der Plan, vor dem Museumsbesuch nur noch schnell das angesammelte Leergut wegzubringen, aber Andrea musste erst lernen, wie man bei einem Leergutautomaten die Bon-Rolle wechselt. Aber man kann sich auch auf einem Edeka-Parkplatz über schwierige Themen unterhalten.
Das Salzmuseum selbst war für ein Museum, das sich ausschließlich mit Salz beschäftigt, erstaunlich groß und erstaunlich interessant. Alles über Salz gelernt, von den verschiedenen Arten, Anwendungsbereichen, der Gewinnung und des Abbaus, bis hin zu Veränderungen bei Salzstreuern über die Jahrzehnte. Salz zeigt trotz der Neigung der Natur zur Entropie klare, wie mit dem Lineal gezogenen Strukturen bis hin zu den kleinsten Partikeln.
Nach ihren jeweiligen Ausflügen trafen sich die Wanderfahrer für die Weiterfahrt zum Hotel zur Rennbahn in Ilmenau. Abendessen fand hier in einem schönen Restaurant am Deich statt, wo tolle Gruppenfotos entstanden.

Beim Warten aufs Essen steckten die Ruderer ihre Köpfe zusammen, um eine Pflanze, die als Deko auf dem Tisch stand, zu identifizieren. Wie es sich herausstellte, handelte es sich hierbei um die einzige Kakteenart, die außerhalb Amerikas vorkommt. Sieht allerdings aus wie eine Alge.
Beim Spaziergang zurück zum Hotel führte der Weg entlang der Elbe bei einsetzender Ebbe.

20.06.: Rückfahrt nach Schieder
Ein paar Wanderfahrer glichen noch vor sechs Uhr früh den Wasserentzug aus und begaben sich zum Morgenschwimmen in die Elbe. Bei Ebbe erstaunlich schwierig; nach ein paar Minuten schwimmen kam der Kommentar „Hier waren wir eben schon!“ mit der Antwort, „Nein, eben waren wir da vorne.“ So bewegte man sich beim Vorwärts-Schwimmen dann mal rückwärts.
Das Frühstück kam an diesem Morgen an den Tisch, Kaffee, Brötchen, Aufstrich, und für die Kinder bitte Kakao. Auch am letzten Morgen konnten die Ruderer nicht die Finger von den schwierigen Themen lassen, die aus personenschutzrechtlichen Gründen hier nicht näher erörtert werden konnten.
Die Teilnehmer der Wanderfahrt Elbe 2025 bedanken sich herzlich bei der Organisation!

